Vergessene Opfer. Die Vertreibung der Roma in den Kosovo

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Juni 1999: Der Kosovo-Krieg ist offiziell beendet. Doch den Roma steht die eigentliche Tragödie erst noch bevor. Parallel zum Einmarsch der NATO-Truppen beginnen nationalistische Albaner, ihre Häuser zu zerstören. Straßenzüge, ganze Stadtteile werden geplündert, gebrandschatzt und niedergerissen. Das European Roma Rights Center aus Budapest hat diese Pogrome als die größte Katastrophe für Roma nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Bis heute besteht nur ein sehr unvollständiges Wissen über die Vorgänge. Waren es 50.000, 70.000 oder vielleicht noch mehr Roma, die 1999 aus dem Kosovo vertrieben wurden? Und wie viele wurden ermordet? In ihrem Feature gehen die Autoren auf Spurensuche und fragen nach Verantwortlichkeiten: Warum haben die bereits im Kosovo stationierten Soldaten der KFOR die Häuser und Siedlungen der Roma nicht geschützt? Wie leben die Flüchtlinge heute, welche Perspektive haben sie? Und warum wurde ihr Schicksal vergessen?

Deutschlandfunk, 21.11.2006