„Djandi-Djando“

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„Djandi-Djando“ ist ein Projekt zur Hausaufgabenbetreuung und Sprachförderung für Roma-Kinder in Zemun, einem Stadtbezirk von Belgrad. Ins Deutsche übersetzt bedeutet „Djandi-Djando“ zweimal schlau: die Schlaue – der Schlaue.

In Kooperation mit dem Verein Vakti in Belgrad.

In den drei informellen Siedlungen in Zemun leben ca. 6.000 bis 8.000 Roma. Ein großer Teil der Familien waren infolge der Kriege im ehemaligen Jugoslawien Asylsuchende in den westlichen EU-Staaten und haben oft sehr lange dort gelebt. Viele Kinder und Jugendliche sind dort aufgewachsen und sozialisiert. Für sie und ihre Familien war die erzwungene Aufenthaltsbeendigung eine einschneidende Veränderung in ihrem bisherigen Leben und oft fatale Folgen.

Die Erwachsenen haben nach Rückkehr selten Zugang zum Arbeitsmarkt. Viele Familien leben weit unterhalb der Armutsgrenze. Häufig beginnen die Probleme damit nach einer Abschiebung damit, eine Bleibe zu finden. Das Leben in einem Raum mit mehreren Familienmitgliedern oder das Ausweichen in Baracken und Holzverschlägen ist keine Seltenheit.

Die Roma sind die am stärksten diskriminierte Bevölkerungsgruppe in der serbischen Gesellschaft.

Insbesondere für die Kinder, die aus Westeuropa zurückgekehrt sind, ist die Situation sehr schwierig. Da die Muttersprache für diese Kinder Romanes ist und sie meist nur die Sprache ihres jeweiligen Aufenthaltslandes (Deutsch, Französisch, Schwedisch etc.) sprechen, haben sie große Probleme in der serbischsprachigen Schule.

Die meisten Kinder besuchen daher nach ihrer Ankunft in Serbien keine weiterführende Schule oder sie werden auf Sonderschulen verwiesen, womit ihnen eine positive Zukunftsperspektive bezüglich Beruf und gesellschaftlicher Akzeptanz genommen wird.

Für die Schulnachhilfe und Hausaufgabenbetreuung „Djandi Djando“ muss eigens ein Raum angemietet werden, da die staatlichen Schulen überbelegt sind und keinen Raum zur Verfügung stellen können. Auch die Kommune verfügt über keine Einrichtungen in den Roma-Siedlungen, in den Privathaushalten schließlich leben meist drei Generationen unter einem Dach.

Darüber hinaus ist es für das Gelingen des Projekts wichtig, dass die Betreuung in erreichbarer Nähe für die Eltern und in vertrauter Umgebung für die Kinder statt findet.

„Djandi Djando“ bietet täglich zwei Stunden vormittags und zwei Stunden nachmittags Nachhilfeunterricht in verschiedenen Fächern an – in Gruppen von 10 bis 15 SchülerInnen. Der Regelunterricht in serbischen Schulen ist in Vormittags- und Nachmittagsklassen aufgeteilt, so dass es möglich ist, in Vormittags- und Nachmittagsgruppen zu arbeiten, was möglichst vielen Kindern die Teilnahme und das Arbeiten in diesem einen Raum ermöglicht.

Die Unterstützung im Erlernen der serbischen Sprache ist ein elementarer Grundstein des Projekts. Aktivitäten wie Theater, Arbeit mit Medien wie Video und Radio sind ein weiterer Bestandteil des Projektes.

„Djandi Djando“ versteht sich als Bindeglied zwischen Eltern und Schule. Die Einbindung der Eltern in das Projekt ist wichtig. Durch regelmäßige Treffen mit den Eltern ist es möglich, wichtige Informationen weiter zu geben und gemeinsam Perspektiven für den weiteren Bildungsweg der Kinder zu besprechen.

Die Projektleitung obliegt einer in der Roma-Siedlung bekannten und respektierten Person, welche die Menschen vor Ort erreicht und ihnen Unterstützung bieten kann. Niedrigschwellige Beratung und Hilfestellungen bei verschiedener Probleme, so wie die Verbreitung von Informationen über Unterstützungsangebote seitens der Stadtverwaltung und durch Nicht-Regierungsorganisationen sind somit möglich.